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08.08.2011

Ein Plädoyer für den Abstract

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Laborjournal 2009; 10: 98-99

Wie schreibt man einen guten Abstract?


Viele Wissenschaftler glauben, der Abstract sei nur eine bessere Inhaltsangabe. Andere halten ihn für den wichtigsten Teil einer Publikation. Geschrieben wird er meist ganz am Ende. Warum eigentlich?


Auf den ersten Blick erscheint es logisch, den Abstract zum Schluss zu schreiben, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen und das Manuskript fertig ist. Denn der Abstract ist das Miniaturabbild eines Papers: Er fasst die zentralen Aussagen der Introduction, Methods, Results and Discussion zusammen. So kann der Leser Fragestellung, Ergebnis und Schlussfolgerung auf einen Blick erfassen und bereits während der Literaturrecherche entscheiden, ob ihn das Thema interessiert. Auch die gängige Ratgeberliteratur empfiehlt, den Abstract zum Schluss zu schreiben, weil er so wichtig ist: Der Abstract ist der am häufigsten gelesene Abschnitt einer wissenschaftlichen Arbeit - oftmals der einzige.


Aus diesem Grund sollte man im Abstract besonders auf Exaktheit und Präzision achten. Eine Selbstverständlichkeit? Eine Untersuchung an sechs großen medizinischen Journalen fand heraus, dass von 1996 bis 1997 zwischen 18 % und 68 % der dort veröffentlichten Abstracts fehlerhaft waren [1]. Als Fehler wurde gewertet, wenn die Daten des Abstracts nicht mit denen des Artikels übereinstimmten oder dort überhaupt nicht zu finden waren. Eine andere Studie untersuchte 2004 die Abstracts einiger pharmazeutischer Journale. Fehlerquote: 60 % [2]. Und selbst wenn über klinische Studien berichtet wird, fehlen den Abstracts oft die entscheidenden Details – manchmal geben sie nicht einmal die zentrale Aussage des Artikels korrekt wieder [3].


Wie schreibt man also einen guten und fehlerfreien Abstract? Die Instructions to Authors der großen biomedizinischen Journale, die ja sonst alles Mögliche regulieren, sind hier keine große Hilfe. Meist beschränken sie sich darauf, den Word Count zu limitieren und nur wenige Journale wie das Journal of Investigative Dermatology gehen ins Detail und schreiben etwa den Aufbau des Abstracts vor: „Background, purpose, results and conclusions of the study, in that order, without headings.“ Doch die Herausgeber können sich die Mühe sparen, hier genauere Anweisungen zu geben. In einer weiteren Studie war nämlich eine Gruppe von Autoren ausdrücklich auf die drei häufigsten Fehler der Abstracts hingewiesen worden [4]: ... (vollständiger Text im Download)


[1] Pitkin RM, Branagan MA, Burmeister LF. Accuracy of data in abstracts of published research articles. JAMA 1999; 281(12):1110-1.
[2] Ward LG, Kendrach MG, Price SO. Accuracy of abstracts for original research articles in pharmacy journals. Ann Pharmacother 2004; 38(7-8):1173-7.
[3] Burns KE, Adhikari NK, Kho M, et al. Abstract reporting in randomized clinical trials of acute lung injury: an audit and assessment of a quality of reporting score. Crit Care Med 2005; 33(9):1937-45.
[4] Pitkin RM, Branagan MA. Can the accuracy of abstracts be improved by providing specific instructions? A randomized controlled trial. JAMA 1998; 280(3):267-9.

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